
Christa Scheidegger (Sozialbehörde, bisher)
Als 2016 viele Geflüchtete aus Afghanistan, Syrien und Eritrea nach Horgen kamen, half ich mit, diese willkommen zu heissen und in Horgen zu integrieren. Die Zivilschutzanlage war die einzige Unterkunft, die Horgen anzubieten hatte. Leintücher und sonstige Annehmlichkeiten wurden von vielen Freiwilligen sowie von Mitgliedern der Landeskirchen zusammengesucht, damit der unterirdische Aufenthaltsort ein bisschen Menschlichkeit und Wärme ausstrahlte.
Im Kirchgemeindehaus richteten wir ein «Freitagskafi» ein. So konnten wir uns regelmässig in angenehmer Atmosphäre treffen. Oft fehlte uns die Sprache, um uns zu verstehen. Doch auch ohne Worte gab es ein Verstehen auf menschlicher Basis. Für einige wurde das Freitagskafi ein fester Bestandteil der Woche.
Unter den Geflüchteten waren auch junge Menschen, die ohne ihre Familien gekommen waren. Für sie war das Freitagskafi ein wichtiger Ort, um zu spüren, dass sie nicht allein sind. Zwei junge Männer gingen einen langen Weg der Integration, sie besuchten regelmässig Deutschkurse und konnten zu einem späteren Zeitpunkt eine Berufslehre machen. Sie sind heute selbständig und unabhängig von der Sozialhilfe.
Ich bedaure es sehr, dass Horgen 2016 keine alternativen Unterkunftsmöglichkeiten hatte und 2025 an der Urne eine neue Asylunterkunft ablehnte. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass ein neuer Anlauf genommen wird, um an der Gemeindeversammlung 2026 eine Vorlage für die drei Standorte Waidli, Hüenerbüel und Käpfnach zur Abstimmung zu bringen.